Auch
auto motor und sport brennt für #echteautoliebe

Mobilität als Nine-to-Five-Job? Nicht bei auto motor und sport. Neben einem Alltagsfahrzeug parkt in den Garagen der meisten Kollegen noch ein Spielzeug. Eines, dessen Rationalität sich über Emotionalität rechtfertigt, oft eines, das aus diesem Früher stammt, in dem auf keinen Fall alles besser war – aber anders.

Bildcredits: © auto motor und sport

Auch auto motor und sport brennt für #echteautoliebe

Mobilität als Nine-to-Five-Job? Nicht bei auto motor und sport. Neben einem Alltagsfahrzeug parkt in den Garagen der meisten Kollegen noch ein Spielzeug. Eines, dessen Rationalität sich über Emotionalität rechtfertigt, oft eines, das aus diesem Früher stammt, in dem auf keinen Fall alles besser war – aber anders.

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Triumph Sprint ST 2006

Warum Motorrad fahren, wenn die Liebe zu Autos überwiegt? Ganz einfach:
Was vier Räder hat und schnell fährt, ist eben auch teuer. Bei PS-starken Zweirädern ist das anders.
(Clemens Hirschfeld, Redakteur)

Motorräder? Haben mich nie wirklich interessiert. In meinem Kinderzimmer hingen Dodge Viper und Ferrari F40 als Poster an den Wänden, gespielt wurde Auto-Quartett und Need for Speed. Den Zweiradschein machte ich erst auf Befehl Anfang 20 beim Bund: vier Wochen Intensivkurs im winterlichen Frühjahr auf einer Enduro- KTM. Geländeausbildung, unfreiwillige Abstiege inklusive. Auch deshalb dauerte es mehr als ein Jahrzehnt, bis ich wieder auf ein Motorrad stieg. Dann schien es mir plötzlich eine gute Idee zu sein, anstatt jeden Tag kilometerlang im Pendlerstau zu stecken, mich einfach hindurchzuwuseln. Wie gut, dass ich während des Volontariats bei der Schwesterzeitschrift Motorrad reinschnupperte. Die Kollegen standen nicht nur mit Zweirad und Tat zur Seite, sondern boten auch gleich die „richtige“ Maschine feil. 128 PS?! Nicht ein bisschen zu viel für einen Wieder-Neu-Einsteiger? Ein klares: Jein. Doch Kollege Uli Holzwarth meinte: „Komm einfach vorbei und fahr ’ne Runde.“ Tatsächlich sprang der Funke sofort über. Nicht nur, weil die Triumph Sprint ST in Bordeauxrot so schön ist und dastand wie neu, weil wenig gelaufen. Nein, trotz 240 kg fährt sie supereasy. Der Dreizylinder klingt dezent prollig, hat Kraft in jedem Drehzahlbereich, die sich gut dosieren lässt. Im Alltag verbläst die 14 Jahre alte Engländerin selbst aktuelle Sportwagen, und zwar eher aus Versehen als mit Vorsatz. Und das Ganze für 4000 Euro. Alles gut also? Jein. Berufsbedingt gilt es, viele Testwagen zu bewegen (ja, ich liebe diesen Job!), also bleibt die ST oft stehen. Die Folge mangelnden Auslaufs: Die Batterie hat sich oft schon entladen, wenn dann doch mal Zeit wäre. Aber deshalb gleich verkaufen? Nein. Erst, wenn ich mir einen der Poster-Sportwagen leisten kann.

Piaggio Ape 1995

Metamorphose? Bei Bienen? Gibt’s nicht, auch nicht in Italien. Dieses Bienchen aber verwandelte sich in eine übergewichtige Hummel. (Luca Leicht, Redakteur)

Von Vernunft und Unvernunft berichten die Kollegen. Von erfüllten Träumen und der Suche nach dem oder der Richtigen. Bei der Ape („Biene“) war das anders. Pragmatischer, aber nicht weniger leidenschaftlich. Schließlich würde Sören, ein guter Freund, nur einmal heiraten. Er wünschte sich auf seiner Hochzeit Café-Catering aus einer Ape – und es fehlte noch ein standesgemäßes Geschenk. Diese Chance, die Schnapsidee vom Café Il Bombolino („Hummelchen“) wahr werden zu lassen, war einmalig. So wechselten eine verbastelte blaue Biene, die wir im digitalen Kleinanzeigendschungel fanden, und eine ausgemusterte Siebträgermaschine aus dem bayerischen Hummeltal (in ebenso desolatem Zustand) ihre Besitzer, und wir waren um rund 450 Kilo Altmetall reicher. Fehlten noch die Wasserversorgung, Waschbecken und zahllose Baumarktbesuche, bis die La Cimbali M30 Bistro endlich ins Heck der kleinen Ape TL6T wanderte, um dort Espressogetränke aller Art zu produzieren. Ein reiner Schaukasten sollte die übergewichtige Biene übrigens nicht werden, auch wenn das Gewicht die Zuladung und den 50er Zweitakter an ihre Grenzen bringen. Zur Hochzeit summte das Hummelchen dennoch stilecht auf Achse – und hoffentlich noch zu vielen weiteren Feiern.

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Smart Fortwo ED 2013

Die Suche nach dem perfekten Auto endet nie, macht aber mal Zwischenstopp – an der Steckdose. (Sebastian Renz, Autor)

Eigentlich scheint sich das Thema eines Smart Fortwo als Zweit- und Herumfahrauto recht grundsätzlich erledigt zu haben – an jenem graupelkalten Januarabend. Damals hieven drei stämmige Ukrainer den Fortwo-Benziner, den ich unversehens von zwei Halodris gekauft hatte, dann aber nicht mehr haben mag, auf einen Anhänger. Die Ukrainer drücken mir noch ein Bündel Geld in die Hand und verschwinden in der Nacht. Bald darauf kaufe ich einen 19 Jahre alten Renault Kangoo, der aber schnell und durchaus nicht unverschuldet daran scheitert, das Vertrauen meiner Frau zu erlangen. So geht die Suche nach dem perfekten Auto wieder los, startet bei einem Astra Cabrio in Kist, streift einen MX-5 in Walldürn, konkretisiert sich fast in einem Panda in Wuppertal und endet zwei Straßen von uns entfernt. Da steht der Fortwo ED beim Vertragshändler samt Akku und einem loszwitschernden Temperament, das uns alle mitreißt – wobei wir vier Proberunden drehen, da alle Kinder mal mitfahren wollen. Jetzt haben wir den Smart jeden Tag. Und jeden Tag lieber. Ja, er kommt nur 140 km mit einer Akkuladung, aber du schätzt jeden Kilometer mehr, wenn es nicht so viele davon gibt. Der ED ist ein erstaunlich günstiges, erfreulich vehementes, ganz protzfreies, angenehm zeitgemäßes, enorm fröhliches kleines E-Auto. Watt will ich mehr?

Fiat Topolino 1953

Leistung relativiert vieles, wenig Leistung erst recht. Die 16,5 PS des kleinen Italieners rücken die Alpen doch glatt bis an meine Haustür im Remstal. (Rudi Seufert, Testwagen-Disponent)

Habe ich ihn wirklich gesucht? Nein, eigentlich nicht. Ein Kraftwagen aus den 1950er- Jahren, ja, das wäre was für den nahen Ruhestand. Und dann, nach einigen herben Rückschlägen, purzelte der Fiat Topolino aus diesem Internet, einer der raren Belvedere (wäre auch heute noch ein schöner Namenszusatz für einen Kombi, oder?) obendrein. Originalzustand, charmant patiniert, ordentliche Technik, nachvollziehbare Historie – der Fiat erfüllte alle meine Bedingungen. Erstmals 1953 in Pescara zugelassen, blieb er die Kleinigkeit von 63 Jahren in der Hand einer Familie, die ihn 2013 an den lokalen Alfa-Händler verkaufte. Von dort fand der Topo 2016 zu seinem zweiten Besitzer in Ulm, der Weg zu mir war also nur noch ein kurzer, zumindest was die Distanz betrifft. Denn obwohl der 569-cm³-Vierzylindermotor schon zur späteren Generation mit Druckumlaufstatt Schleuderschmierung zählt, wirkt es in Fahrt doch eher so, als trügen zwei träge Praktikanten die Landschaft am Auto vorbei. Zu langsam? Auf gar keinen Fall! Das Leben in modernen Autos ist schnell genug, und so bleibt Zeit, dem Fiat die verdienten Sympathien zukommen zu lassen, von mir, aber auch von vielen Passanten. Wenn dann noch das geöffnete Faltdach den Fahrtwind in den Belvedere kullern lässt – herrlich. Damit die Sonne dabei nicht so sticht, gab es schon damals ein Sonnensegel, das sogar bei Volllast hält. Mein Sohn hat mir eines geschenkt. Wie es weitergeht? Wer weiß das schon. Auf jeden Fall lange, hoffe ich, auch wenn es einiges zum Schrauben geben wird. Und dank des Topolino weiß ich nun, wie steil die Anstiege bei mir zu Hause im Remstal wirklich sind – wer braucht schon die Alpen?

Über den Autor

Stefan Wiedemann

Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei CosmosDirekt von 1989 bis 1991 gemacht. Arbeitet seit 1994 als Online-Redakteur für die Webseite. Hobbies: Fitness, Kreuzfahrten und Autos.

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